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DIE MAPUCHE ALS WIDERSTANDSFÄHIGES VOLK PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Dienstag, 30. August 2016 um 18:43

Die Geschichte der Mapuche kann im Rahmen der zwei Begriffe bezeichnet werden: Widerstand und Lernfähigkeit. Der Widerstand gegen die Aggressoren für die Beibehaltung des eigenen Landes und der eigenen Identität. Der seit ca. 500 Jahren andauernde Widerstand gegen die Inkaherrscher, die spanischen Kontestatoren und chilenische Regierung war jenseits der Lern- und Anpassungsfähigkeit nicht möglich.

Die Mapuche sind ein Indianervolk, das heute im Südanden Gebiet in Chile und in Argentinien beheimatet ist. Die Mapuche bedeutet Menschen der Erde. Ihre Sprache ist Mapundungun. Sie entstammen hauptsächlich aus dem Gebiet Araukanien, südlich des Flusses Bio Bio und werden mit anderen Ethnien aus diesem Gebiet als Araukaner bezeichnet. Ihre Population war im 17. Jahrhundert ca. 1.600.000.

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts stoppten die Mapuche die Expansion der Inkaherrscher nach Süden. Im Jahre 1541 begann die Eroberung des Mapuche-Gebiets durch die Spanier und deren circa 300 Jahre dauernder, längster Widerstand in der Kolonialgeschichte Südamerikas.

Es gab fünf Ursachen des erfolgreichen Widerstandes.

Erstens: Die Mapuche lebten nicht im zentralistisch verwalteten Reich, sondern in zahlreichen politisch voneinander unabhängigen Einheiten. Es gab keinen Herrscher um zu verhandeln, wie im Fall der Inka.

Zweitens: Das waldige Wohngebiet der Mapuche war für einen Guerilla-Krieg geeignet.

Drittens: Sie konnten neue Kampftaktiken und Waffen entwickeln.

Viertens: Die Nutzung von den Spaniern angeführten Pferdes.

Fünftens: Die Mapuche bewiesen sich, dass sie lernfähig waren. Sie haben die spanische Kriegsführung gelernt.

Der Vormarsch der Spanier war zum Ende gebracht, der Fluß Bio Bio war die Grenze zwischen Mapuche und Spanier.

Im 18. und 19. Jahrhundert drangen die Gruppen der Mapuche von Chile über die Anden nach Argentinien vor und dort assimilierten nomadisch lebendes Volk (Tehuelche). Am Ende des 19. Jahrhunderts besetzten argentinische und chilenische Truppen das autonome Mapuche-Gebiet.

Mapuche sind jetzt eine große ethnische Gruppe, deren Zahl war bei der Volkszählung im Jahr 2002 als 600.000 festgestellt. Seit Jahren heiraten die Mapuche mit den nicht-Mapuchen und mehr als die Hälfte der Mapuche können die eigene Sprache weder sprechen noch verstehen.

Die Mapuche leben nicht in Dörfern im herkömmlichen Sinne zusammen, sondern auf einzelnen Bauernhöfen mit Gärten, in denen die Gemüse (Paprika, Kürbis, Bohnen, Weizen und Mais) des täglichen Bedarfs angebaut werden.

Die Viehzucht besonders Rinder- und Schafzucht ist dominant. Schafe sind am häufigsten verbreiteten Nutztiere der Mapuche, die für die Herstellung der wasserfestigen Textilien aus der Wolle wichtig sind. Sie produzieren die Schmucke und Textilien hauptsächlich für die Touristen.

Kreuzcousine ist die bevorzugte Heiratspartnerin, durch Heirat werden die Allianzen zwischen Familien geschlossen. Die Mapuche sind patrilinear, exogam und patrilokal.

Die Mapuche waren dezentral organisiert, es gab immer zahlreiche Führungspersönlichkeiten. Es gab keine Zentralgewalt.

Die Mapuchen wenden sich an mehrere Gottheiter. Wenn sie zwei Gottheiten anrufen, sprechen sie diese als Mann und Frau an, also als Ehegatten. Bei vier Gottheiten wurden die letzten zwei als Sohn und Tochter bezeichnet. Die Zahl 4 hat eine Bedeutung für die Mapuche. Die Flagge der Mapuche hat vier Zeichen, wie vier Symbolen an der schamanistischen Trommel.

Die meisten von Mapuchen sind katholisch, aber sie haben einige ihrer ursprünglichen Glaubensvorstellungen beibehalten, z.B. wie Speisen, Getränke und Werkzeuge mit ins Grab zu legen, um den Toten für die Reise in die übernatürliche Welt zu rüsten.

Die Machis –Schamaninnen- spielen eine große Rolle in der Kultur der Mapuche. Sie führen individuelle Heilungsrituale. Im 19. Jh. waren viele Männer Machis, aber heute sind die Machis meistens Frauen. Die Männer kleiden sich wie Frauen, wenn sie als Machis praktizieren.

Die Machis werden meistens im Traum direkt zu ihrem Amt berufen und sie oder nahestehende Person kann diese Berufung widerstehen.

Wenn die Berufung angenommen wird, fängt eine Ausbildung durch eine erfahrene Meisterin.

Die zukünftige Machi lernt besonders die Methoden der Verbindung mit der übernatürlichen sogar geistlichen Welt. Das Heilungsritual beinhaltet einen Kampf zwischen Machi und dem bösen Geist, der die Krankheit verursacht hat.

Die zukünftige Machi lernt Diagnosemethoden und wie man bewusst mit der geistlichen Welt Kontakt aufnehmen kann? Wenn die Machi mit der geistlichen Welt Kontakt hat, zieht sie sich ihr Kopftuch über die Augen. Sie brauchen die Augen für die Außenwelt nicht mehr, sie konzentriert sich auf der geistlichen Welt.

Die Machi ist am Ende des Rituals völlig erschöpft, deshalb sie benötigt einen Assistenten (häufig Ehemann), der sich alles merkt, weil sich die Machi nach dem Trance nichts erinnert.

Schamane zu sein bedeutet eine anstrengende Arbeit, ein schwieriger Beruf, viele Menschen wollen nicht Schamane werden.

Jedes Jahr wird ein politisches Ritual, Bittritual organisiert, um die gesellschaftliche Zusammenhalt zu stärken und die Verbindung mit der übernatürlichen Welt herzustellen.

Die Mapuche haben eine große Liebe für ihr  eigenes Land. Ihr Widerstand dauerte auch nach der Unabhängigkeit von Chile, weil sie aus ihrem Land von den weißen Siedlern verdrängt wurden.

Der Kampf der Mapuche dauert immer noch an. Sie wollen als eigenständige Volksgruppe anerkannt werden.

Die Mapuche hatten deutlich mehr Rechte im Allende-Ära, sie haben die meisten davon nach 1974 im Pinochet-Ära verloren.

Um ihre Stimme hörbar zu machen, organisieren die Mapuche zahlreiche Aktionen inkl. Hungerstreike. Sie haben einige Internetseiten, aber sie werden von der Weltöffentlichkeit nicht ernst genommen.

Engin Erkiner